Folge 3 : Windenergie

 

Windenergie ist die wichtigste Säule im regenerativen Energiemix

2016 lag der Anteil der regenerativen Energien aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft im deutschen Strommix bei ca. 30%  [1]. Den größten Beitrag stellten mit mehr als 10% die Onshore-Windkraftwerke, also die Windanlagen an Land. Zusammen mit den Offshore-Windkraftwerken (2%) war der Gesamtbeitrag der Windenergie fast so groß wie der aller verbliebenen Kernkraftwerke zusammen (13.1%) und doppelt so groß wie der aller PV-Anlagen (5.9%). Die Windenergie ist damit die tragende Säule der Energiewende und wird weiterhin an Bedeutung zunehmen. Das Ausbaupotential der Windenergie im Strommix wird nach gegen­wärtigem Stand der Speicher- und Netztechnologien auf 20 – 25% ge­schätzt [2].

Bayern hat Aufholbedarf

Der bayerische Energiemix ergibt ein anderes Bild: Der Anteil der Windenergie hinkt mit nur 3% dem Bundesdurchschnitt hinterher. Hier wird der Beitrag der regenerativen Energien von Wasserkraft (13%) und PV-Energie (12.8%) dominiert [3]. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Medien, Energie und Technologie meint dazu auf seiner Website „Dieser relativ geringe Anteil ist den geo­graphischen und topo­graphischen Be­dingungen in Bayern sowie der vor Ort teilweise geringen Akzeptanz von Windkraftanlagen geschuldet. Wir wollen daher die wirtschaftlich vertretbare Windstromerzeugung in Bayern an für Natur, Landschaft und Bevölkerung verträglichen Standorten ausbauen.[4]

Die lokale Bedeutung der Windenergie

Die Bedeutung der Windenergie auch auf lokaler Ebene zeigt sich im Vergleich der verfügbaren Energieträger. Schon eine einzige moderne Windenergieanlage (WEA) wie die bei Kammerberg erbringt im Jahr mehr als 6 Gigawattstunden Strom – das ist mehr Energie als mit Dach-PV-Anlagen auf allen 1100 Wohngebäuden in Petershausen zu ernten wäre.

Wie im Klimaschutzkonzept [5] für Petershausen nachzulesen hat der Ort einen Jahresstrombedarf von ca. 13 Gigawattstunden im Jahr, d.h. eine einzelne Windkraftanlage könnte fast 50% des Strombedarfs abdecken.

Trotz des gewaltigen Energiepotentials der Windenergie soll sie kein Ersatz für lokale PV-Anlagen sein, denn der Mix der beiden ist wichtig um wechselseitig Schwankungen bei Wind- und Sonne auszugleichen.

Warum braucht man lokale Windenergie?

Es gibt viele Gründe, Windenergie auch bei uns in Bayern, d.h. auch im Landkreis Dachau zu fördern. Der Ausbau im windreicheren Norden Deutschlands ist schon weit fortgeschritten, allerdings fehlt bis zum Ausbau der Nord-Süd-Stromtrassen noch die Netzkapazität um die Energie nach Bayern zu bringen. Letztes Jahr wurde sogar die Einführung verschiedener Strompreiszonen diskutiert, um dem Ungleichgewicht der regenerativen Energieerzeugung Rechnung zu tragen [6][7]. Inzwischen ist die Technik der Windkraftanlagen so weit fortgeschritten, dass die Stromerzeugung auch in Bayern wirtschaftlich ist, und das mit Kosten, die von Bürgerenergiegenossenschaften bewältigt werden können. Somit wird eine Wertschöpfung vor Ort möglich, d.h. die Gewinne durch die Energiegewinnung fließen nicht mehr Konzernen zu, sondern den Bürgern, die sich schon mit geringen Einlagen beteiligen können.

Weht genug Wind bei uns im Landkreis?

Moderne Windkraftanlagen wie das Windrad bei Kammerberg mit Gesamthöhen von 200-230 Metern greifen in hohe Luftschichten mit ausreichenden ganzjährigen Windgeschwindigkeiten hinein. Spitzenleistungen von 3 Megawatt und Jahreserträge von mehr als 6 Gigawattstunden sind damit möglich geworden. Dass dies auch in der Praxis funktioniert, kann man auf der Website der Bürgerenergiegenossenschaft Freising live verfolgen [8]. Die aktuelle Leistung des Windrads, sowie die Erträge der letzten Monate werden dort angezeigt.

Im Jahr 2016 z.B. wurden insgesamt 6.6 Gigawattstunden erzeugt, was die Jahreszielmenge von 6.2 Gigawattstunden sogar übersteigt. Auch weitere Anlagen aus der Gegend vermelden positive Bilanzen. Das Windrad im Lustholz bei Uttenhofen würde laut Angaben der Bürgerenergie Pfaffenhofen seit Aufnahme des Normalbetriebs im Mai 2016 25% über der Prognose und die Anlagen in Gerolsbach 15 % über der Ertragsprognose laufen. [9][10]

Das Energiepotential ist vorhanden – wenn wir es wollen

Der Energie-Atlas Bayern bietet einen landesweiten Überblick über die für Windkraft günstigen Gebiete (mehr als 5 Meter/Sekunde Windgeschwindigkeit in 130m Höhe) – Natur- und immissionsschutzrechtlichen Belange werden bei dieser Vorauswahl bereits berücksichtigt [11].

Der Energie-Atlas zeigt, dass es im Münchner Norden noch einiges Potential zur regenerativen Energiegewinnung gibt – natürlich nur, wenn die Bevölkerung sich dieses Ziels annimmt und dazu steht. Denn die vom Bayerischen Landtag 2014 verabschiedete „10H-Regel“ schließt viele mögliche Standorte aus und kann nur durch eine positiv-Planung, d.h. durch Bebauungspläne der Gemeinden ausgesetzt werden. Zur Erläuterung: Die 10H-Regel fordert einen Mindestabstand der zehnfachen Höhe einer Windkraftanlage von der nächsten Wohnbebauung. Das wäre bei den modernen Anlagen ein Mindestabstand von mehr als 2 Kilometer, während laut „Bayerischem Winderlass“ 800m genügen würden [12]. Es liegt also an den Gemeinden mit ihrer Positivplanung den richtigen Kompromiss zu finden, um den Windkraftausbau in Maßen zu ermöglichen und dabei dem Schutzbedürfnis der Bevölkerung Rechnung zu tragen. In Petershausen wurden im Rahmen des landkreisweiten Teilflächennutzungsplans bereits 3 mögliche Vorzugsflächen im Gemeindegebiet identifiziert.

Und wenn kein Wind weht?

Die oben angestellte Rechnung zeigt, dass 2-3 Windkraftanlagen den gesamten Strombedarf Petershausens decken könnten – allerdings nicht ohne Einbettung in einen Stromverbund, denn es gibt Flauten, die mit schnell regelbaren Kraftwerksreserven wie z.B. Gaskraftwerken überbrückt werden müssen. Das funktioniert derzeit offensichtlich gut. Der 24. Januar 2017 z.B. war so ein Tag, an dem wegen Windstille und Nebel Windkraft und PV-Anlagen nur 4% des deutschen Energiebedarfs decken konnten [13]. Trotz dieser Wetterlage hat Deutschland an diesem Tag nur ein Drittel der Gaskraftwerksreserven in Betrieb genommen und dabei noch Strom ins Ausland exportiert.

Welche Gefahren bringt der lokale Ausbau der Windenergie?

Jeder neue Windkraftstandort wird nach strengen Richtlinien geprüft, darunter das Bundesimmissionsschutzgesetz zu Schattenwurf und Disko­Effekten, die Technische Anleitung „TA­Lärm“ zu Lärmschutz, das Naturschutzgesetz und EU­Richtlinien zum Naturschutz, sowie eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung. Windparks erhalten zusätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung [14]. Damit werden Risiken entsprechend dem aktuellen Erkenntnisstand ausgeschlossen.

Was ist mit Infraschall?

Häufig wird sogenannter „Infraschall“, d.h. Schallemissionen des Windrads mit einer Frequenz unterhalb 20 Hertz als mögliches Gefahrenpotential für den Menschen hervorgehoben. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weist allerdings darauf hin, dass Schall in diesem Frequenzbereich überall in unserer Umwelt erzeugt wird, z.B. durch Wind in freier Natur und in wesentlich stärkerem Ausmaß durch Straßenverkehr [15]. Demgegenüber würden Windkraftanlagen keinen wesentlichen Beitrag zum Infraschallpegel leisten. Das aktuelle Positionspapier des Umweltbundesamts (November 2016) schlussfolgert: „Im Hinblick auf akustische Effekte kann für die Infraschallbelastung durch WEA nach heutigem Stand der Forschung davon ausgegangen werden, dass diese im Vergleich mit anderen (natürlichen und anthropogenen) Quellen sehr gering ist, so dass es hierbei nicht zu negativen Auswirkungen für die Gesundheit kommt.[16]

Lohnt sich das Ringen um Windenergie vor Ort?

Ohne Zweifel ist die Windenergie eine der unbequemen alternativen Energieformen, denn sie braucht die überwiegende Akzeptanz in der Bevölkerung vor Ort. Allerdings sollte man sich fragen, was die Alternative wäre. Die weitere Zerstörung unserer Umwelt, dem Lebensraum von Menschen und Tieren durch den Klimawandel oder die Ausflucht in CO2-freie Energie aus Kernkraftwerken, für deren gefährliche Lasten sich bisher keine Lösung finden ließ? Es ist daher letztendlich eine Gewissensfrage, ob die „unbequeme“ Windenergie nicht doch der richtige Weg und das verantwortungsvolle Handeln gegenüber der nächsten Generation wäre.

Fazit: Ohne Windenergie keine Energiewende – wir sollten die Herausforderung annehmen!

Um die Energiewende zu bewältigen, muss man sich nicht nur der Frage der Stromerzeugung sondern auch die der Energieerzeugung für Heizung und Mobilität stellen. Für Petershausen beträgt der jährliche Wärmebedarf ca. 48 Gigawattstunden und der geschätzte Energieaufwand für Mobilität 35 Gigawattstunden [5], zusammen mehr als das 6-fache des Strombedarfs.

Um solche Energiemengen bereitzustellen, benötigt man die Windenergie. Wenn diese zum Teil vor Ort gewonnen wird und der finanzielle Ertrag vor Ort bleibt, ist sowohl unserer Umwelt als auch unserem Gemeinwohl geholfen.

Den ausführlichen Artikel inkl. der verwendeten Quellen finden Sie auch unter der Website http://www.agenda21-petershausen.de/

Dr. Martin Streibl, Dr. Rolf Trzcinski, Klauspeter Möhrlen (Agenda 21)

QUELLEN

[1] „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2016“, https://www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2017/Jahresauswertung_2016/Agora_Jahresauswertung-2016_WEB.pdf

[2] https://www.energiespiel.bayern.de/stromversorgung/regenerative-kraftwerke/windenergieanlage/

[3] https://www.statistik.bayern.de/statistik/energie/

[4] https://www.stmwi.bayern.de/energie-rohstoffe/erneuerbare-energien/windenergie/

[5] „Das Klimaschutzkonzept der Gemeinden Haimhausen, Petershausen und Vierkirchen“, http://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/klimaschutzkonzept_2015.pdf

[6] „Süddeutsche sollen mehr für Strom zahlen“,  http://www.swr.de/swraktuell/verzoegerung-bei-nord-sued-stromtrasse-sueddeutsche-sollen-mehr-fuer-strom-zahlen/-/id=396/did=17507220/nid=396/1a7lyud/index.html

[7] „EU will Deutschland in zwei Strompreiszonen teilen“,  https://www.welt.de/wirtschaft/article155773887/EU-will-Deutschland-in-zwei-Strompreiszonen-teilen.html

[8] http://beg-fs.de/burger-windrad-stromproduktion/

[9] „Die erste Million ist schon drin: Bürgerwindrad Pfaffenhofen übertrifft alle Ertragsprognosen“, http://www.pafunddu.de/pfaffenhofen/wirtschaft/die-erste-million-ist-schon-drin-buergerwindrad-pfaffenhofen-uebertrifft-alle-ertragsprognosen-d8360.html

[10] „Bürgerwindrad im Lustholz übertrifft alle Ertragsprognosen um mehr als 25 Prozent“,  http://www.pfaffenhofen.de/paf-und-du/burgerwindrad-im-lustholz-ubertrifft-alle-ertragsprognosen-um-mehr-als-25-prozent-7222/

[11] http://geoportal.bayern.de/energieatlas-karten/;jsessionid=10DE8529AFF23FF69F4858333FA3CB93?wicket-crypt=YZQDTQEsVBo&theme=6200

[12] https://www.gruene-fraktion-brandenburg.de/fileadmin/ltf_brandenburg/Dokumente/Website_Content/Gutachten_PBD_Windenergie.pdf

[13] „Ist der Winter wirklich zu düster für den Ökostrom?“,  http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekostrom-knapp-panikmache-mit-der-dunkelflaute-a-1133450.html

[14] „BN informiert – Strom aus Windenergie“,  https://www.bund-naturschutz.de/fileadmin/download/energie/Energie-Flyer/BN_informiert_wind.pdf

[15] „Ausbau von Windenergie und Stromtrassen: wird die Gesundheit der Anwohner beeinträchtigt ?“, von Caroline Herr, Bernhard Brenner,  http://www.pfaffenhofen.de/media/Prof__Herr_EnergiewendeGesundheit.pdf

[16] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1968/publikationen/161128_uba_position_windenergiegesundheit.pdf