Sono Sion: Umweltschutz kann auch großen Spaß machen!

Geschrieben von Dietrich Lange am in Elektromobilität, Energieeffizienz, Regenerative Energie

Das Elektroauto-Projekt Sono Sion – Eindrücke einer Probefahrt

Sonntag vor einer Woche war es endlich so weit: Wir hatten  die seltene Gelegenheit, einen Prototypen des Sono Sion, das Elektroauto-Projekt von Sono-Motors, zu testen.

Ort des Geschehens: Das Olympiastadion in München. Und wir wurden angenehm überrascht: Das Fahrzeug sieht in Natura deutlich besser aus als auf den Werbefotos der Sono Sion -Seite, sowohl in Weiß als auch in Schwarz.

Man merkt kaum, dass man es mit einem handgefertigten Prototypen zu tun hat, gleichmäßige Spaltmaße, glänzende Oberflächen und gut eingearbeitete Solarzellen direkt unter der Außenhaut runden das Ganze ab, auch auf dem Dach. Und anstatt der erwarteten Campingstühle im Interieur fanden wir echte Autositze und eine sauber aber schlicht gestaltete Innenausstattung vor.

Die Armlehnen waren zwar zu hoch angesetzt, und die Sicherheitsgurte auf der falschen Seite zu finden, aber das würde  noch geändert werden, wurde uns versichert.  Die im Internet avisierte Multifunktions-Anzeige auf dem LCD-Panel konnte noch nicht betrachtet werden. Sehr schön und luftig wirkte aber das teil-transparente  Photovoltaik-Dach.

Im geräumigen Innenraum fällt sofort die knallgrüne „Moos-Bar“ entlang des Armaturenbretts ins Auge, die angeblich der Luftfilterung dienen soll. Aber die Hauptarbeit dieses Vorgangs bewältigt dann doch zu  80 % ein normaler Luftfilter, das Moos ist wohl eher eine Art Ausstattungs-Gag und Markenzeichen, das für die angedachte Ansiedelung ganz im grünen Bereich des Personentransports jenseits von Feinstaub, Stickoxyden und CO2 steht.

Und hier sieht die Bilanz sehr gut aus: Im Gegensatz zu anderen Elektroautos, die überwiegend Strom aus fossilen Verbrennungs-Quellen tanken müssen, besteht beim Sono Sion die Chance, sich zumindest im Sommer und bei kurzen Pendelstrecken (ca. 5 – 15 km einfach) ausschließlich durch seine eigenen Solarzellen versorgen zu können. Im Idealfall also könnte es passieren, dass man als Pendler den ganzen Sommer lang nicht ein einziges Mal nachtanken müsste. Denn das Fahrzeug stünde genau dann auf dem S-Bahn- oder Firmenparkplatz wenn tagsüber die Sonne scheinen würde und würde sich so stets wieder aufladen, anders als die anderen E-Fahrzeuge, die zwar daheim z.B. umweltfreundlich aus einem Solar-Carport gespeist  werden könnten, dessen Energie aber kostenaufwändig für das tägliche Betanken zwischengespeichert werden müsste, und die sich auf dem auswärtigen Parkplatz lediglich in der Sonne sinnlos erhitzen würden.

Das Nachladen macht der Sono Sion also ganz allein, egal wo man gerade ist. Natürlich reicht eine Tagesspeicherung nur für maximal 30 km (Herstellerangaben),  aber für weitere Strecken steht ein großer Fahrzeug-Akku (35 -45 KWH) zur Verfügung, der laut Hersteller eine Reichweite von 250 km ermöglicht und auf Reisen sehr schnell über eine CCS/Combo2 Ladebuchse innerhalb von 40 Minuten bis auf 80% nachgeladen werden könnte. Der Fahrer macht also auf Reisen alle paar Stunden eine Fahr- oder Kaffeepause zum Laden, was durchaus seiner Gesund- und Sicherheit dienen könnte.

Und die Fahrt? Nach einer kurzen Einweisung (man findet im Grunde die typischen Bedienungs-Modi eines regulären Automatikfahrzeugs vor, darunter auch Einschalten bei gleichzeitigem Druck auf das Bremspedal) geht es los, bis zu fünf Personen können – etwas gedrängt -in dem Fahrzeug Platz finden.

SonoSionTest

Probefahrt im Sono Sion

Trotz vollbeladenem Wagen –  ein paar Schaulustige wollten auch noch mitfahren – erlebt man eine starke Beschleunigung des durchzugsstarken 80 kw Elektro-Motors, der scheinbar direkt ohne Getriebe auf der Hinterachse zu sitzen scheint.  Dafür spricht, dass der Motor exakt auf die Stellung des Gaspedals reagiert -Im Leer- oder Freilauf zu rollen scheint das Fahrzeug nicht zu kennen: Gibt man Gas, wird beschleunigt, nimmt man Gas weg, wird sofort verzögert (und dabei  Strom wieder  in den Akku zurückgespeichert, wie der Einweiser uns versicherte).  Das schont natürlich enorm die Bremsen.  Jetzt würde ich gerne das Fahrzeug noch am steilen Berg testen, ein Berg war aber nicht vorhanden, und des Sions Bestimmung ist ja wohl vor allen Dingen eine Anwendung als städtisches Pendler- und Nutzfahrzeug.

Auch der Rückwärtsgang glänzt mit gleicher Kraft…Ob man wohl auch rückwärts die angegebene Spitzengeschwindigkeit von ca. 140 KMH erreichen würde?

Und da ist es, das Fahren in einem Elektroauto! Diese anpackende, ruhig summende stille Kraft mit vom Start weg gleichbleibendem hohen Drehmoment,  da macht Umweltschutz einfach großen Spaß!

Der Zwang, sehr genau das Gaspedal zu kontrollieren und zu halten hat uns zwar etwas gestört, uns wurde aber zugesagt, dass ein Tempomat in Vorbereitung wäre, der die Geschichte etwas entkrampfen werde.

Und als Toyota-Prius-Fahrer hört man gerne, dass der Sono Sion eine echte Anhängerkupplung bekommen wird, mit der bis zu 750 kg gezogen werden könnten. Und das ist gut so, denn…

Der Kofferraum im Heck ist etwas klein ausgefallen, wahrscheinlich ist mit den 650 l dann wohl eine Beladung bis unter das Dach gemeint, die Rücksitzlehnen lassen sich für mehr Raum (1250 l)  vorklappen. Offensichtlich sind unter der hohen Ladefläche die großen Akkus verbaut worden.

Die Chance, vorn unter der Fronthaube einen weiteren Kofferraum einzubauen, wurde leider vertan. Anstatt dessen findet man vorn die 12 V Starter- bzw. Systembasisbatterie und ein paar Regelmechanismen und Leistungselektronik-Komponenten vor, die auch das Ladebuchsen-Panel an der Frontseite beschicken.

Und hier gibt es neben der grandiosen Idee, sich elektrisch wo es geht mit Solarzellen aufzufrischen, noch ein weiteres großes Plus: Das Ladebuchsen-Panel bietet auch das Anzapfen des Fahrzeug-Stroms an, inkl. 230 V Haushaltsstrom, wodurch das Fahrzeug auch als Zwischen-Speicher für die Photovoltaik-Anlage daheim dienen könnte. So müsste der Hauspufferspeicher dank der Fahrzeugnutzung nicht so groß dimensioniert werden, wenn man im Sommer nahezu energieautark abends Licht und Strom von der eigenen Anlage oder im Verbund nutzen möchte. Und natürlich sind diese Funktionen zeitgemäß über eine geeignete App auch über das Smartphone regelbar, und über die Zusatz-Nutzung als Hausspeicher würde sich bereits ein Teil des Akku-Kaufpreises amortisieren.

Die Anwendung als „gelber Engel“  zur Rettung anderer mit leerem Akku liegengebliebener Elektrofahrzeuge wäre damit implementiert, der Sono Sion kann also auch Energie übertragen.

Die Auslegung des Fahrgestells mutet hundertprozentig  professionell an, man hat ein sicheres Gefühl bezüglich der Straßenlage und in den Kurven, der Wendekreis ist sensationell klein. Die Hersteller begründen diese für ein Neuprodukt sehr guten Eigenschaften damit, dass sie grundsätzlich auf bewährte und real existierende Zulieferteile aus der Autoindustrie zugreifen, es ist schließlich nicht nötig, alles neu zu erfinden und auszutesten, wenn vieles schon in ausgereifter Qualität vorhanden und zu beziehen ist. Das ist ein weiterer Plus-Punkt innerhalb des Gesamtkonzepts, wir brauchen uns also nicht Sorgen zu machen, dass bereits nach einem halben Jahr z.B. die elektrischen Fensterheber oder die Standard-Klimaanlage versagen könnten, oder dass es sonstige böse Überraschungen schwer beziehbarer, „studentisch“ gebastelter Bauteile geben könnte.

Laut Hersteller ist der Sion mit ABS Bremsen, Alarmanlage, zwei Airbags und ESC ausgestattet.

Sehr begrüßenswert ist die Idee, dass das Werkstatthandbuch für jedermann offen einsehbar sein wird und der Sion so in jeder Werkstatt, die eine Hoch-Spannungs- und -Stromlizenz hat, preisgünstig mit leicht zu beschaffenden Ersatzteilen repariert werden könnte.

Der Sion kann auch über eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose aufgeladen werden, dass würde dann ca. 14 Stunden dauern.

Zusammenfassung: Der Sono Sion ist ein sauber ausgefeiltes Elektroauto-Projekt mit guten Ideen, beschleunigt gut und macht einen wertigen Eindruck -Alles im grünen Bereich wie das Moos der Lüftungsanlage – Es wäre den Urhebern des Startups sehr zu wünschen, dass sie die angepeilten 5000 Vorbestellungen zusammenbekommen, um das Fahrzeug in Serie herstellen zu können. Dazu sind als Verkaufspreis 16 T Euro zuzüglich 4 T Euro für den Akku (mieten oder kaufen) ein absoluter Kampfpreis, wobei  nur 4 T Euro für einen 35 KWH-Akku schon sehr ambitioniert erscheinen.

Mein Rat: Verschrotten Sie Ihren Diesel-SUV, dann haben Sie eine Umwelt-Sorge weniger, bilden Sie eine Pendlergemeinschaft, schonen Sie die Umwelt und bestellen Sie den Sono Sion. Wenn das Serienauto mindestens genauso gut wenn nicht sogar besser wird als die vorgestellten Prototypen, können Sie nichts falsch machen!

Vorbestellungen und weitere Informationen unter:

www.sonomotors.com

 

Dietrich Lange, Stand 5.9.2017

 

Edit (30.10.2018): Sono-Motors hat mittlerweile die notwendigen 6000 Vor-Bestellungen für den Sion beisammen und wird im Jahr 2019 die Serienproduktion beginnen. Viel Erfolg!